Protokoll Jour Fixe Petritz

Am 14.03.2022 fand der erste kulturpolitische Jour Fixe mit dem Klagenfurter Kulturstadtrat Franz Petritz (SPÖ) statt. Im Zentrum der Debatte standen die Raumsituation, das Kulturbudget und die kulturelle Belebung der Stadt Klagenfurt. Wir bedanken uns bei allen Anwesenden für die Teilnahme und die Diskussion!

Hinweis: Da wir die Rückmeldung erhielten, dass durch einige Formulierungen der Eindruck entstand, die IG KiKK positioniere sich gegen die "Donnerszenen", wurden die irreführenden Passagen im Protokoll geändert. Wir begrüßen diese Initiative ausdrücklich und sehen sie als ein Good Practice-Beispiel, welches die Öffnung von (öffentlichen) Räumen für Kultur und in Zusammenarbeit mit der Freien Szene Sichtbarkeit für lokale Künstler:innen ermöglicht. Als Interessenvertretung nehmen wir die Aufgabe war, die Vor- und Nachteile von durch Gebietskörperschaften organisierte Veranstaltungen zur Diskussion zu stellen. Wir bedauern, mit unserer Kommunikation Missverständnisse ausgelöst zu haben.

Alina Zeichen begrüßt im Namen der IG KiKK und bedankt sich bei Franz Petritz und Alexander Gerdanovits für den Austausch. Sie eröffnet mit der Frage nach der Kultur-Vision des Stadtrates.

Petritz sei der Austausch mit Freier Szene wichtig. Er steht einer offenen Kommunikation, die Probleme und Lösungen aufzeigt, zur Verfügung. Seine erste Aufgabe war die Budgetverhandlung und dort Verständnis für Kultursubventionen herzustellen. Das Kulturbudget 2022 wurde nicht gekürzt. Er wolle sich dafür einsetzen, was möglich ist auch zu ermöglichen.
Die Raumproblematik in Klagenfurt sei bekannt, begrenzt durch Finanzen und Örtlichkeiten. Erste Initiativen wurden geschaffen, um das Bemühen der Stadt zu signalisieren. Große Lösungen müssten mit dem Land gemeinsam erarbeitet werden, das könne die Stadt alleine nicht schaffen.
2018 fiel die Entscheidung für ein Kulturleitbild. Die Strategie und deren Umsetzung werde mit Schwerpunktsetzung bis 2030 entwickelt. Es sei angedacht, dass es einen Kulturbericht geben soll, der das kulturelle Leben der Stadt darstellt.

In Klagenfurt fehlen Räume für Veranstaltungen, Proben, Büros und Lager.

Zeichen: Vorhandene Räume sind oft behaftet z.B. durch prekäre oder kurz befristete Mietverhältnisse oder Anrainerprobleme. Veranstaltungsorte mit eingeschränkten Veranstaltungstagen (z.B. Maker Space). verschärfen die Situation. Die seit Jahren geführten Gespräche drehen sich im Kreis, denn eine Abteilung verweist auf die andere. Daher hatten wir auch Stadtrat Max Habenicht eingeladen, leider war ein gemeinsamer Termin nicht möglich.

Petritz stehe mit StR Habenicht in intensivem Austausch, es fehle an Leerflächenmanagement. Er sehe Chancen in der Neugestaltung von Plätzen (Pfarrplatz, Heuplatz; Bahnhofstraße). Politische Diskussionen beschränkten sich oft oberflächlich auf Parkplätze oder Alkoholverbote. Politik müsse den Mut haben auch über Gestaltungsmöglichkeiten von z.B. konsumfreien Zonen zu diskutieren.
Der Einschränkung der Veranstaltungstage des Maker Space werde er nachgehen.

Anwesende weisen darauf hin, dass Maßnahmen wie ein Alkoholverbot die Problematik nur auf andere Orte verschiebe. Der Gestaltungswille der Stadt wird hinterfragt, denn Belebung durch Kulturinitiativen sei über Stadt nicht möglich. Dabei stünden Bürokratie und fehlender Verhandlungsspielraum im Weg. Gleichzeitig scheine die Belebung bei gewissen Veranstaltern kein Problem zu sein, wenn die Stadt als Veranstalterin auftritt: Die Donnerszenen bespielen Orte und erhalten Akzeptanz, um die sich Kulturinitiativen jahrelang bemüht haben.

Zeichen regt eine stärkere Zusammenarbeit mit dem Stadtmarketing an. Durch die Initiierung der Donnerszenen ist es gelungen, viele Orte zu öffnen, indem die Besitzer:innen überzeugt und Betriebsstättengenehmigungen erarbeitet wurden. Das Teilen der Informationen könnte den Zugang für alle Kulturtätigen erleichtern.
Petritz unterstütze diese Idee und wolle abklären, ob diese zur Verfügung gestellt werden können. Die Genehmigungen und bürokratischen Auflagen seien verschärft worden.

Zeichen: VADA konnte sich mit teatro zumbayllu und NGOs die Unterstützung von Stadt und Land für einen Raum am Kardinalplatz erarbeiten. Mit Veranstaltungszentrum ka1 im 1. Stock und Viertelagentur beleben sie das Kardinalviertel. Urban Playground fand mithilfe einer privaten Immobilienfirma die neue Location in der Theatergasse. Für den Erhalt der Villa For Forest scheint eine Lösung gefunden. In Wölfnitz entstand ein Proberaum für die Freie Szene. Viele Initiativen seien aus Eigeninitiative entstanden. Zeichen stellt einen Generationenwechsel fest, der neue Impulse, aber in Folge erhöhten Raumbedarf bringe.

Beschleunigung der Auszahlung und Erhöhung von Kultursubventionen

Publikumsfrage: Wird die langjährige Forderung nach der Beschleunigung der Subventionsauszahlung umgesetzt?

Petritz betont das Wahljahr 2021 war eine Ausnahme. Laut Gerdanovits wurden die Kultursubventionen heuer so früh wie noch nie beschlossen (Stadtsenatssitzung im Jänner) und anschließend Überprüfungen (Schulden bei Stadt, Abrechnung) durchgeführt. Zur Planungssicherheit könne die Freie Szene auf das Bemühen zählen, die Subventionen auf dem Level des Vorjahres zu halten. Momentan sei nicht mehr Spielraum.

Zeichen verweist auf stete Teuerungen (Energiepreise, Mieterhöhungen, etc.). Auf Dauer kämen gleichbleibende Subventionen, ohne Inflationsanpassung, einer Kürzung gleich! Studien belegen, dass Investitionen in die Kultur zukunftsorientiert sind.

Da Publikum fragt nach Fair Pay: Während über Nulllohnrunden im Gemeinderat debattiert werde, seien die Gehälter in der Freien Szene seit 20 Jahren gleich. Besteht über den Wunsch hinaus eine realistische Chance auf eine schrittweise Annäherung an faire Bezahlung im Kulturbereich?

Gerdanovits betont ‚schrittweise‘ als Stichwort. Niedrigststand der Subventionen 2015, ~600.000€, seither angehoben, 2021 ~850.000€. Jedes Jahr kämen neue Empfängerinnen hinzu. Stadt wolle bisherige Subventionen nicht kürzen, aber neuen Förderungswürdigen auch etwas geben.
Petritz: Erhöhung müsse Intention sein, Frage sei die realistische Umsetzung. Klagenfurt habe ein Budget von 32 Millionen Euro. Fair Pay und der Ausgleich steigender Kosten könne sich nicht ausgehen. Es brauche Unterstützung von Land und Bund.

Finanzielle Alltagsprobleme in der soziokulturellen/feministischen Projektarbeit

Zeichen: Freie Kulturinitiativen gestalten ein kulturell vielfältiges Angebot für ein lebenswertes Kärnten und gegen Abwanderung. Den Teuerungen über Erhöhung der Kartenpreise gegenzusteuern sei in der Freien Szene kaum möglich, um den Zugang niederschwellig zu halten. Bleiben die Subventionen jedoch bei steigenden Kosten gleich, entsteht somit eine Kluft.

Die Forderung nach der Umverteilung der Gelder für die Kultur z.B. aus dem Bildungssektor und das Aufzeigen des Wertes von Kulturarbeit seitens der Politik wird laut: Kulturarbeit sei auch Präventions- und Bildungsarbeit und federe viel ab, was die Politik nicht schaffe! Bewusstseinsbildung als Aufgabe der Politik wird eingefordert.

Kulturreferate bzw. -abteilungen von Stadt, Land und Bund verweisen auf andere Abteilungen. Die Querfinanzierung sei jedoch nicht umsetzbar, dort seien Budgets für Kulturprojekte meist nicht vorhanden.

Petritz empfiehlt Gespräche über geplante Projekte mit den Abteilungen so früh wie möglich zu führen, denn im laufenden Budget gebe es kaum Spielraum. Gerdanovits erwähnt, dass sich viele nicht an die Einreichfrist für Kulturförderung (31. Dezember) halten würden.

Daniel Gönitzer verweist auf dasProblem frühzeitiger Einreichungen: Dabei entstehe unfreiwilliges Ehrenamt, denn Projekte müssten unbezahlt ausgearbeitet werden. Es fehle an Basis- oder Strukturförderungen zur finanziellen Abdeckung der Projektentwicklung. Projektbezogene Förderungen seien irrsinnige Doppelbelastungen für Initiativen, die ein Jahresprogramm liefern.

Das Klagenfurt Festival, Terminkollisionen und Kommunikation

Die heurigen kurzfristigen Terminverschiebungen und der erweiterte Zeitraum des Klagenfurt Festivals machen anderen Veranstalter:innen Probleme. Das Festival sei sehr dominant, man teile sich Zielgruppe, um diese mit Werbung zu erreichen fehle das Budget. Das Fehlen einer Evaluierung und Ausschreibung wurde im Entstehungsprozess kritisiert.

Gerdanovits: Das erste Jahr wurde wegen Corona verschoben, evaluiert werde nach 2. Jahr (2022). Ausgeschrieben werde, nachdem über die Fortsetzung des Festivals entschieden ist. Beurteilt werde nach mehreren Standpunkten: Programm, medialer Impakt, usw., durchgeführt durch Beirat des Festivals (Land Kärnten, Stadt Klagenfurt und Tourismusverband).

Gemeinsam wird festgestellt, dass Parallelveranstaltungen kaum vermeidbar seien, denn neben dem Klagenfurt Festival bespielen noch die Donnerszenen und Vierteltöne die Stadt. Kommunikation und Absprachen könnten vieles verbessern, es gehe besonders um die Premierentermine und Großveranstaltungen. Die Anwesenden wünschen sich eine Terminakkordierung.

Zeichen nennt die Vierteltöne und Donnerszenen als gut greifende Belebungsmaßnahmen der Stadt. Die Interessenvertretung sehe eine Problematik im Auftreten von Städten als Veranstalterinnen darin, dass ausgewählte Initiativen mit besonderen Mitteln ausgestattet würden. Daneben hätten bestehende Kulturinitiativen aufgrund ihrer geringen Ressourcen wenig Platz. Gerdanovits entgegnet, dass gerade die Donnerszenen aufgrund guter Zusammenarbeit eher eine Unterstützung als Konkurrenz für die Freie Szene darstellten und die gezeigten Programmauszüge Aufmerksamkeit für Kulturtätige schafften. Eine Initiative teilt die Erfahrung, dass das volle Programm danach nicht mehr angenommen werde, wenn es kostenpflichtig angeboten wird.

Zeichen schließt die Diskussion mit der Feststellung, dass es in einer Großstadt Überschneidungen gebe und die kulturellen Player an einer gemeinsamen Strategie arbeiten müssten, um das Publikum besser abzuholen.


Die kulturelle Nutzung einiger Leerstände wurde seitens der Stadt zuletzt in Aussicht gestellt. Wie ist derzeitiger Stand?

Die Lidmanskyschule ist für das Contact Tracing in Verwendung. Danach gibt es Nutzungsvereinbarung für die Gustav Mahler Privatuniversität; die Sozialabteilung und das Schularchiv sind im Erdgeschoss.

Der Becksaal soll für ca. 150-200 Personen zugelassen werden, es bestehe Investitionsbedarf in Akustik, Ton- und Lichtausstattung. Diesen nutzbar zu machen nimmt Petritz als Aufgabe für Budgetverhandlungen mit. Die Nutzung sei v.a. durch die Musikschule, aber auch für die Freie Szene - verwaltet über die städtische Kulturabteilung - geplant.

Das Gebäude am Domplatz hat die Stadt gekauft, die Sanierung und danach eine städtische Bedarfserhebung an Büroräumlichkeiten steht an. Das Bildarchiv zieht in das Untergeschoss.

Eine Einigung über ein größeres Konzept für den Felsenkeller ist in nächster Zeit nicht in Aussicht. Dieser ist im Besitz der Stadt, für den Stollen (ehem. Bergbaumuseum) sieht Kulturabteilung keine Verwendung. Die vielen Konzeptvorschläge scheiterten bisher immer am Geld. Es braucht aber dringend eine Lösung.

Das Hallenbad ist im Besitz der STW und wird abgetragen.

Über die Teilnehmenden am Podium:

 

Mag. Franz Petritz (SPÖ)

(C) Helge Bauer

 

(C) Helge Bauer

Geboren am 31. März 1982 in Klagenfurt. Studium der Geschichte an der Universität Klagenfurt, seit 2018 im Klagenfurter Gemeinderat. Er wurde am 19. Oktober 2021 als Klagenfurter Stadtrat angelobt, seither zuständig für die Referate Gesundheit Sport und Kultur.

 

Mag. Alexander Gerdanovits

Geboren am 24. Mai 1974 in Timișoara, Rumänien. Studium der Germanistik, Anglistik und Philosophie an der Universität Klagenfurt. Tätigkeiten als Schriftsteller und Kurator. Seit August 2020 Leiter der Kulturabteilung Klagenfurt.

 

Mag. (FH) Alina Zeichen, Mag.

Diplomstudium Sport-Kultur und Veranstaltungsmanagement an der FH Kufstein sowie Masterstudium Angewandte Kulturwissenschaft an der Universität Klagenfurt. Seit 2008 als Projektleiterin, freie dramaturgische Mitarbeiterin, Regieassistentin oder Produktionsleitung tätig. Vorsitzende der IG KiKK, Obfrau von KD Barba und Mitarbeiterin des UNIKUM.