Protokoll Jour Fixe Gerdanovits

Am 18.10. fand der erste Kulturpolitische Jour Fixe mit dem Klagenfurter Kulturamtsleiter Alexander Gerdanovits statt. Neben dem merklichen Bedürfnis nach persönlichem Austausch wurde vor allem die fehlenden Veranstaltungs-, Produktions- und Verwaltungsräume debattiert. Wir bedanken uns bei allen Anwesenden für die Teilnahme und die Diskussion!

Ulrich Hagg begrüßt im Namen des „K1“ (Kardinalplatz 1): Die Räumlichkeiten können für Veranstaltungen angemietet werden, IG KiKK-Mitglieder erhalten dabei vergünstigte Konditionen und Vorrang.

Alina Zeichen (AZ) begrüßt im Namen der IG KiKK und bedankt sich bei Gerdanovits, dass er sich Zeit nimmt und für den Austausch zur Verfügung steht. Er hat im August 2020 die Leitung der Klagenfurter Kulturabteilung übernommen, in einem turbulenten Jahr, das neben Corona einige kulturelle Änderungen in der Stadt brachte (neue Stadtregierung mit zwei neuen Kulturreferenten, Festival, Stiftung). Sie bittet um Bilanz.

Alexander Gerdanovits (AG): Übernahme der Kulturabteilung kam für ihn sehr überraschend, musste sich einarbeiten, obwohl er sie von innen gut kannte. Habe in der Startphase Kontakte zu Kulturschaffenden gesucht. 2020 war ein durchwachsenes Jahr einerseits wegen Corona, andererseits aufgrund Einschränkung durch Budgetprovisorium (bis Juli kein Budget, wegen Stadtrecht keine Ausgaben nur operative Gebarung). Dennoch sei es gelungen, die Subventionen auf dem bisherigen Niveau zu halten. 2019: 650.000 – 750.000€ , 2020: 900.000€, 2021 Annäherung an diese Summe.

AG weiß um Raumproblematik, es wurden bereits provisorische Räume für Vereine gefunden. Suche nach großer Lösung für Proberäume zusammen mit Land geht weiter (Volksschulen, z.B. Wölfnitz, Lidmanskyschule), hält diese nach einem Jahr für möglich. Die IG TTP KK ist dabei stark involviert. Als Veranstaltungsraum kommt u.a. die Felsenhalle des Bergbaumuseums in Frage, wofür die Kulturabteilung keine Verwendung habe, Veranstaltungsstättengenehmigung sei vorhanden. Auch ehem. Fernheizkraftwerk könne interessant sein.Sabine Kristof-Kranzelbinder betont die Offenheit der Interessensgemeinschaften zur Unterstützung bei der Raumaquise, Kulturinitiativen seien dazu oft aufgrund fehlender Ressourcen nicht in der Lage.

AZ betont, bei der Raumsuche auch die Erreichbarkeit zu berücksichtigen. Kultur muss ins Zentrum, die Innenstadt beleben.

Auch Meldungen von den Anwesenden stimmten zu, insbesondere Kulturarbeit mit Kindern müsse öffentlich erreichbar sein. Neben Veranstaltungs- und Proberäumen, einem Kulturzentrum, fehle es Klagenfurt auch an Räumen für Arbeit mit Jugendlichen, Räume die Kultur erlebbar machen, konsumfreie und Begegnungsräume und an Infrastruktur für Nutzung des öffentlichen Raums. Bestehende müssen aufgelöst werden (raj, Villa For Forest, raum8) oder können nur selten genützt werden (Maker Space, theaterHalle11, Kammerlichtspiele). Gleichzeitig gibt es viele Leerstände, oft verstreicht die Zeit, in der diese Räume bereits adaptiert hätten werden können. Durch die Basisdatenerhebung der IG KiKK gäbe es bereits eine Erhebung zum Raumbedarf, die Erhebung des Leerstands, wie es andere Landeshauptstädte tun, fehle.

AG entgegnet, dass die Planung und Budgetierung von Sanierungen sehr viel Zeit in Anspruch nehme. Er regt einen Jour Fixe mit dem neuen Kulturreferent Franz Petritz (seit 19. Oktober Nachfolger des zurückgetretenen Jürgen Pfeiler), Stadtrat Max Habenicht (Facility Management, zuständig für Immobilien/Leerstände) an.

AZ versichert, die IG KiKK setzt diesen Vorschlag gerne um.

AG: Zu angesprochenen Problemen mit Anrainern stellt er fest, Anrainer müssten akzeptieren, dass in der Stadt etwas passiert. Betroffene sollen sich an ihn wenden, er werde unterstützen. Er könne den Weg ebnen, Entscheidungen würden jedoch von der Politik getroffen.

Die Nachfrage, ob die von der Stadt versprochene Liste der offiziellen Veranstaltungsräumen bereits existiere, kann AG nicht beantworten, er werde dem nachgehen.

Weitere Vorschläge kommen auf: die Stadt könne Lagerräume anmieten und an IG KiKK-Mitglieder weitergeben; die Stadt könne neue Anrainer mit einem Schreiben auf belebte Innenstadt hinweisen und sich damit öffentlich dazu bekennen; Leerstände könnten mit Projekten bespielt werden und dadurch Aufmerksamkeit für Kulturinitiativen generiert werden; Stadt könne Muster für Prekariatsverträge zur Verfügung stellen, sodass Privatpersonen über Prekarium Leerstände kurz- und mittelfristig nutzbar machen für Kultur, wenn es über die Stadt zu lange dauert - die Stadt könnte dann die Betriebskosten/Mietkosten/Sanierung übernehmen.

AZ spricht die Kultursubventionen an. Sie sieht diese als Investition, laut einer Wifo-Studie kommt jeder Euro dreimal zurück. Sie plädiert dafür, Kultur als soften Standortfaktor z.B. gegen Abwanderung, als Chance stärker wahrzunehmen und zu nutzen.
Ausgearbeitete Honoraruntergrenzen für Anstellungen sollen als Vision dienen, um Fair Pay umzusetzen braucht es eine Subventionserhöhung.

AG: Pfeiler war gegenüber den Dreijahresverträgen positiv gestimmt, will mit Petritz weiter daran arbeiten. Bezüglich Kulturbericht verweist er auf den städtischen Subventionsbericht. Auf die Kritik, diesem fehle die Transparenz bei privaten Empfängern, und Vereine würden oft von Privaten getragen; schlägt er vor, man solle das Ankreuzen „Subventionsempfänger“ verpflichtend machen.
Zur geforderten Erhöhung entgegnet er, der Topf werde nicht größer werden, es kommen jedoch junge Initiativen nach und damit werden es mehr Empfängerinnen.
In der Kulturabteilung gebe es nur eine Person, die für alle Subventionen zu ständig sei, was eine personelle Herausforderung darstelle.
Auf durch die Kultur-Strategiegruppe neu erarbeiteten Richtlinien angesprochen antwortet er, diese seien seit 1.1.2021 gültig und auf dem Kulturserver abrufbar. Es wird gefordert, diese mit anderen Landeshauptstädten zu vergleichen.

AZ: Die Freie Szene benötigt das Gießkannen-Prinzip. Wenn sich die Ausschüttungen nur auf wenige konzentrieren, gehe die Vielfalt verloren.

Anwesende fordern, unter Anbetracht der extrem hohen Inflation und der Erhöhung von z.B. Bürgermeister:innengehälter müsse der Weg auch für Kultursubvention weiter nach oben gehen.
Auch eine verbesserte Kommunikation, wie öffentliche Ausschreibung für die neuen Sommerveranstaltungen z.B. Klagenfurt Festival, Donnerszenen, Vierteltöne und AfterWork-Market wird gewünscht.

AZ bedankt sich bei allen Anwesenden und verweist auf die Möglichkeit zur Vernetzung und individuellem Austausch im Anschluss.

 

Fotos (c) Felix Strasser