Kulturbericht 2020

Stellungnahme der IG KiKK

Entwicklung und Verteilung

Das Kulturbudget betrug 2020 etwa 26,87 Millionen Euro. Die Erhöhung um € 0,48 Millionen (+1,83%) zum Vorjahr wird mit den Kosten für das Jubiläumsjahr CARINTHIja 2020 anlässlich der 100. Jährung der Kärntner Volksabstimmung begründet. Im Kulturbericht finden sich 87 Positionen zum Projekt. Aufgrund des Jubiläumsjahres CARINTHIja 2020 wurde kein Schwerpunktjahr seitens der Kulturabteilung organisiert.

Vom gesamten Kulturbudget gingen 64 Prozent an vier landesnahe Institutionen (Stadttheater, Landesmuseum, Landesarchiv, MMKK). Im Vergleich zu 2019 ist dies ein Rückgang der Budgets für die Landesinstitutionen um 12,8%. Als Gründe werden hierfür pandemiebedingt nicht stattgefundenes Programm sowie der Wegfall des Darlehens für die Neuorganisation des Landesmuseums genannt.

Die übrigen 9,68 Millionen Euro teilen sich alle anderen Sparten und Positionen im Kulturbericht (Volkskultur, Darstellende Kunst, Bildende Kunst, Literatur, Film, Kultur-initiativen, andere Museen, Kulturzeitschrift Die Brücke, Landeskulturpreise, Stipendien, usw.). Diesen insgesamt fast 800 Positionen stehen somit nur 36% des Kulturbudgets zur Verfügung.

 

Kulturinitiativen und IG KiKK-Mitglieder

Die Budgetentwicklung für die LIKUS[i] Kategorie Kulturinitiativen und -zentren“ stellt mit € 898.200.- im Vergleich zu 2019 eine Erhöhung um 3,49% dar. Dies ist unter anderem auf die Förderung von CARINTHIja 2020-Projekten zurückzuführen. Aufgrund der Selbstzuordnung beim Subventionsansuchen sind jedoch nicht alle IG KiKK-Mitglieder in dieser LIKUS Kategorie aufgelistet, sondern verteilen sich auch auf die jeweiligen Sparten (Darstellende Kunst, Musik, Literatur, …).

Von den 70 Mitgliedsinitiativen der IG KiKK haben 48 eine Förderung von der Kultur-abteilung des Land Kärnten mit einer Gesamtsumme von € 977.000.- erhalten. Hiervon zählen € 168.00.- zum Jubiläumsprojekt CARINTHIja 2020. Im Vergleich zu 2019 ist die Fördersumme dieser 48 IG KiKK-Mitglieder um € 28.678.- gestiegen. Im Detail stehen dabei 19 Erhöhungen des jeweiligen Förderbetrages 22 Kürzungen gegenüber (exklusive der CARINTHIja-Projekte).

  • Bei 24 (somit die Hälfte der Förderungsempfängerinnen) beträgt die Summe weniger als € 10.000.- . Diese Initiativen wären damit laut neuen Förderrichtlinien unter dem Schwellenwert für eine Mehrjahresförderung.
  • Acht Mitglieder erhalten zwischen € 10.000.- bis € 20.000.-
  • Sieben Mitglieder erhalten zwischen € 20.000.- bis € 30.000.-
  • Fünf Mitglieder erhalten zwischen € 30.000.- bis € 50.000.-
  • Vier Mitglieder € 50.000.- oder mehr.

Anmerkung: Basierend auf den Fair Pay Richtlinien betragen die Personalkosten für eine Anstellung mit 20 Wochenstunden in der Gruppe 3[ii] jährlich € 26.322,40.-[iii]. Somit können sich rein durch die Förderung des Landes Kärnten/Koroška 39 der Kulturinitiativen neben der Projekttätigkeit bei ausreichendem Zeitausmaß keine angemessen bezahlte Kulturarbeiter:in leisten.

 

COVID-19

Erstmalig und einzigartig in Österreich wurde 2020 eine Projektentwicklungsförderung von der Kulturabteilung des Landes in Kooperation mit der IG KiKK erarbeitet. Daher wurden € 107.000.- als Corona-Unterstützungsmaßnahme an elf Kärntner Kulturinitiativen für die Entwicklung von Projekten, welche 2022 umgesetzt werden sollen, ausbezahlt.

An Künstler:innen sowie Wissenschaftler:innen wurden 144 Arbeitsstipendien zu je
€ 2.760.- aufgrund der Coronapandemie vergeben, mit einer Dotierung von insgesamt rund 400.000.- .

 

Entwicklung und Interpretation

Insgesamt sind Aussagen über eine Kulturbudgetentwicklung schwer zu treffen. So ist zwar die Gesamtsumme im Vergleich zu 2019 gestiegen, sie bleibt jedoch unter dem Niveau von 2018 und das trotz des sehr gut dotierten Ausnahmeprojektes CARINTHIja 2020. Positiv fällt auf, dass die Förderungen für die freie Szene steigen, wobei dies wohl nicht auf Umverteilung zurück zu führen ist. Landeseinrichtung sind außer vom Wegfall von Sonderpositionen wie beispielsweise der Sanierung des Landesmuseums kaum von Kürzungen betroffen und beziehen nach wie vor den Löwenanteil von 64% der Kultur-förderung. 39 von 48 Mitgliedsinitiativen liegen im Gegensatz dazu bei einer Jahresförderung von unter € 30.000.- und könnten von dieser Förderung nicht gleichzeitig Programmgestaltung und Anstellungen finanzieren, geschweige denn, laufende Kosten wie monatliche Büroinfrastruktur tragen.

 

Nachhaltige Ansätze

An die 90 Projekte wurden im Jahr 2020 im Rahmen von CARINTHIja 2020 durchgeführt. Als Resümee darf es als gelungenes Projekt gelten. CARINTHIja 2020 verdeutlicht, welche Rahmenbedingungen bei einer Ausschreibung sehr gute Projekte in der freien Szene ermöglichen: Langfristige Planung und Projektmanagement von Seiten der Förderstellen mit einem gut dotierten Budget führen zu rechtzeitigen Zusagen in projektadäquater Höhe. Dies ermöglicht einen sehr guten Outcome, da durch Finanzierung von Arbeitskräften eine professionelle Durchführung auf inhaltlicher sowie künstlerischer Natur gewährleistet wird. Daher ist es wünschenswert, dass diese positive Erfahrung (Best-Practice-Modell) weitergeführt wird.

COVID-19 und die Auswirkungen werden die Gesellschaft und die Ökonomie noch länger beschäftigen, da die Gesundheitskrise auch schonungslos die vielen Schwächen u. a. des kulturpolitischen Systems aufgedeckt hat. Die prekäre soziale Lage von Kulturarbeiter:innen wird zwar seit über einem Jahrzehnt diskutiert, so sichtbar wie in den letzten zwei Jahren, aufgrund von Veranstaltungsverboten und damit einhergehenden Einnahmeverlusten, war sie wohl noch nie.

Die hohe Nachfrage nach Arbeitsstipendien für Künstler:innen/Wissenschaftler:innen sowie Projektentwicklungsförderungen von Kulturinitiativen beweisen die Dringlichkeit von Kunstförderung jenseits herkömmlicher Strukturen, welche eine Einreichung und Durchführung innerhalb eines Jahres vorsehen – wobei Konzeption und Recherche unbezahlt im Jahr davor geleistet wird. Um hingegen ein qualitativ hochwertiges Kunst- und Kulturleben und gleichzeitig den Verdienst des Lebensunterhaltes durch Kulturarbeit zu ermöglichen, bedarf es Förderungen ohne Zeitdruck für die Projektdurch-führung. Auch der große Erfolg von CARINTHIja 2020 bestätigt diese These. Daher sind Stipendien als direkte Investition in die Zukunft zu werten.

Weiters sollte die öffentliche Hand im Sinne von kulturpolitischen Strategien nicht kurzfristige Impulse und Anreize, sondern längerfristige Maßnahmen verfolgen, die zur nachhaltigen Entwicklung der freien Szene führen. Letztendlich ist es die freie Szene, die zu einem absoluten Großteil das Kunst- und Kulturangebot in Kärnten/Koroška gestaltet. Dies zeigen nicht nur die rund 90 CARINTHIja 2020 Projekte. Auch die Gegen-überstellung von VIER Landesorganisationen und den fast 800 anderen Positionen im Kulturbericht macht die Vielfalt und Bedeutung von Kulturtätigen abseits großer Ein-richtungen deutlich. Nachhaltigkeit und faire Arbeitsbedingungen gehen dabei Hand in Hand und erfordern ein Umdenken im Förderwesen – weg von der Projektförderung und hin zur Strukturförderung.


Die angegebenen Zahlen und Aussagen wurden anhand des Kulturberichtes 2020 des Landes Kärnten erarbeitet, abrufbar unter https://www.kulturchannel.at/fileadmin/startseite_buttons/alk_kulturbericht2020.pdf

[i] LänderInitiativenKUlturStatistik

[ii] Tätigkeitsbeschreibung: Selbständiges Erledigen administrativer Aufgaben wie Kassaführung, Abrechnungen, Archivierung, allgemeiner Schriftverkehr, Veranstaltungsorganisation, Mitgliederadministration, selbständige Betreuung der Datenbank, Durchführung von Recherchen, Erstellen von Projektdokumentationen/ Jahresberichten aus vorhandenem Material; Vorbuchhaltung, Projektassistenz, Marketing, Redaktion von Programmen, Bibliotheksbetreuung.

[iii] Ermittelt anhand des Fair Pay Rechners der Kulturplattform Oberösterreich, abrufbar unter: https://kupf.at/fairpayrechner/