Zusammenfassung klagenfurtFESTIVAL

Jour Fixe klagenfurtFESTIVAL

Montag, 24. Juni 2019, Jazz-Club Kammerlichtspiele

Micheler, Liepold-Mosser, Jalovetz, Seiser

Am Podium:
Dr. Hans Jalovetz, Moderation, IG-KiKK-Vorstandsmitglied
Dr. Bernd Liepold-Mosser, Intendant klagenfurtFESTIVAL
KO Herwig Seiser, Klubobmann SPÖ - als Vertretung für LH Dr. PeterKaiser
Mag. Helmut Micheler, GF Tourismusverband Klagenfurt - und auch Vertretung der Stadt Klagenfurt

Entschuldigt:
Bürgermeisterin Dr.in Maria-Luise Mathiaschitz, Kulturreferentin
MMag.a Manuela Tertschnig, Leiterin Kulturabteilung

 


 

Für den Zeitraum von 10 Tagen soll das Festival eine geballte Ladung an zeitgenössischer Kunst (aus den Sparten Theater, Performance, Musik, Tanz, Video, Technologie, Diskurs und Literatur) und Pop-Kultur nach Klagenfurt bringen.

… aus dem Konzept

 

Die Begrüßung erfolgte durch IG-KiKK-Vorstandsmitglied Veronika Kušej und die Einleitung durch Hans Jalovetz:

Er stellt fest, es gibt Förderungen von 900.000 Euro auf drei Jahre und diese kommen zu gleichen Teilen von der Stadt Klagenfurt, dem Tourismusverband Klagenfurt und dem Land Kärnten. Die Intendanz hat Bernd Liepold-Mosser für 2 Jahre inne, danach soll die Stelle ausgeschrieben werden. Nach einem Jahr wird evaluiert. Dafür wurde eine GmbH gegründet, die zu 90 Prozent der Stadt Klagenfurt gehört. Da Helmut Micheler als Vertreter der Stadt fungiert, ergeht an ihn die Frage, wie das Projekt zustande kam.

Helmut Micheler erklärt seine Position im Tourismusverband und den Grund der Teilnahme: "Klagenfurt ist die einzige Landeshauptstadt ohne Kulturfestival. Das wollen wir ändern, dafür Geld in die Hand nehmen und das Ganze auch mit euch (Freier Szene) in Schwung zu bringen." Bernd Liepold-Mosser und Manuela Tertschnig waren bei ihm und haben das Konzept vorgestellt. Es war klar, dass ihr Budget allein nicht reicht, um etwas Großes, Nachhaltiges auf die Beine zu stellen. In diesem Rahmen kam es zur Überlegung eine GmbH zu gründen. Erstens damit die Stadt nicht Alleinveranstalter ist und zweitens, um Förderungen lukrieren zu können (Bsp. Bund).

Es wird bestätigt, dass ein Drittel des Budgets an die Freie Szene gehen soll, aber nicht nur in Klagenfurt, sondern ganz Kärnten.

Weiters wurde bestätigt, dass die Gespräche über das "klagenfurtFESTIVAL" bereits seit Ende 2017 laufen. Bernd Liepold-Mosser war mit Manuela Tertschnig sowohl bei Maria-Luise Mathiaschitz als auch bei Helmut Micheler, um das Konzept vorzustellen.

Hans Jalovetz fragt nach dem Konzept, das Bernd Liepold-Mosser der Stadt vorgestellt hat.

Bernd Liepold-Mosser liest das Konzept vor.

Kleine Zeitung, 19. Mai 2019

Hans Jalovetz weist darauf hin, dass es eine Steuerungsgruppe, das Kulturgremium und die Initiative "Kultur wirkt" gibt, die sich alle übergangen fühlen, weil sie erst aus den Medien vom Projekt erfahren haben. In Richtung Bernd Liepold-Mosser: "Warum haben Sie sich erst so spät mit der IG KiKK und IG TTP KK getroffen?" und "Sie haben gesagt, die Zeit drängt und die Projekte sollten bis Ende Juli abgegeben werden. Warum so spät?".

Bernd Liepold-Mosser wollte nicht vorher über "ungelegte Eier reden". Es ist immer zu wenig Geld vorhanden – auch bei ihm. Daher ist er mit Manuela Tertschnig zu Maria-Luise Mathiaschitz gegangen und die Idee hat ihr gefallen. Dann folgten politische Abläufe, die er nicht kennt und daher auch nichts dazu sagen kann. Erst 3 Wochen bevor der Artikel erschienen ist, war es dann fix und beschlossen.
Es sei auch für ihn als Leiter knapp, wie auch für die Eigenproduktionen und um geeignete Kooperationspartner zu finden. Er will ohnehin nicht den Kurator raushängen lassen und man braucht kein 30-seitiges, philosophisches Konzept einreichen. „Wir kennen uns alle. Alle haben meine Telefonnummer und können mich anrufen“. Im Oktober/November soll es soweit fertig sein, damit man das Festival noch aktiv bewerben kann. Und man muss das Ganze nicht nur für 2020 andenken, es geht ja auch um 2021 und 2022.
"Das ist die Situation. Nicht ideal, aber zu schaffen. Und ein Kulturfestival macht man nicht primär für die Kulturszene, sondern für die Stadt und die Leute. Bis jetzt ist ein Monat vergangen und es ist nicht ein Vorschlag gekommen."

IG-KiKK-Vorsitzende Alina Zeichen erkundigt sich über die Finanzen. Sie weist daraufhin, dass auch CarinthiJa 2020 stattfindet, immer nur 60 Prozent gefördert werden und es defacto auf eine zweite Finanzierung hinauslaufe. Außerdem dauern Förderzusagen mindestens bis März. Wie soll das gehen? Sie regt an, dass es dafür eine Lösung von Stadt/Land geben sollte.

Bernd Liepold-Mosser denkt an Kooperationen. Eine Vollfinanzierung wäre bei Theaterprojekten einfach nicht machbar, da die Kosten zu hoch wären. Und er meint, dass es das Problem mit späten Förderzusagen bereits seit 25 Jahren gibt und man es auch jetzt nicht wird lösen können.

Herwig Seiser und Igor Pucker erklären, dass es sich beim Geld des Landes um das Gemeindebudget handelt. Es sei eine Bedarfszuweisung, d.h. die Stadt bekommt das Geld als Bedarfszuweisung aus der Landesabteilung Gemeinden (Abt. 3).

Gemeinderätin Evelyn Schmid-Tarmann spricht wegen der fehlenden Kommunikation von einem Skandal. Sie hätte keine näheren Informationen erhalten. Aber als Kultursprecherin habe sie sich verpflichtet gefühlt, zuzustimmen, weil es hieß, die Zeit drängt. Sie meinte, Bernd Liepold-Mossers Konzept, sei kein Konzept. Er sollte ein fertiges Konzept haben und dann erst zur Freien Szene gehen. Er könne auch nicht die IGs fragen, ob sie vorselektieren. Das sei nicht stimmig. Sie schätze Bernd Liepold-Mosser persönlich, aber er könne nicht erwarten, bis Ende Juli ein Konzept der Freien Szene zu bekommen. Außerdem fragt sie nach „Kultur wirkt“, das sei wohl mit dem neuen Konzept gestorben.

Stadtrat Frank Frey bestätigt ihre Aussage. Es hieß, die Zeit eilt, der Name Bernd Liepold-Mosser sei gefallen und es soll 2020 stattfinden. Es war eine Grundsatzentscheidung für die GmbH – für das Festival. Aber es gab kein Konzept. Es hieß weiter, Bernd Liepold-Mosser brauche „Planungssicherheit“ bevor er beginnt. Die Stadt hätte keine 300.000 Euro, aber mit Kooperation war es okay. FPÖ nannte es einen Vertrauensvorschuss.

Kritik der Freien Szene

Jour Fixe in den Kammerlichtspielen

Die Freie Szene hat nicht grundsätzlich etwas gegen das Festival, aber sie kritisiert die Vorgehensweise und die nicht vorhandene Kommunikation der Verantwortlichen, also der Stadt Klagenfurt. Zu betonen ist, dass die Freie Szene damit nicht eine unbedingt öffentliche Kommunikation im Vorraus meint, sondern vor allem das Nicht-Einbinden der Steuerungsgruppe, des Kulturgremiums und der Gruppe "Kultur wirkt!", die sich bereits längere Zeit mit genau dieser Thematik auseinandersetzen.

Am Konzept selbst kritisieren einige die fehlende Identität und das "schwammige" Programm. Das Konzept ist breit gefächert, aber es gibt keinen Fokus. Das Festival könnte in jeder anderen Stadt stattfinden. Es fehlt der Bezug zu Klagenfurt. Außerdem kommt aus dem Konzept nicht klar heraus, was genau gewünscht wird.

Details zum Konzept

Laut Bernd Liepold-Mosser lautet das Thema „URBANISIERUNG“. Die Zielrichtung sei klar: neue Formen und Spielorte in der Stadt, hohe Qualität und Machbarkeit. Projektvorschläge müssen nicht philosophisch sein.
Es wäre ein Zugewinn, wenn man auf einige Fragen der Gesellschaft eine Antwort findet. Also „aufs Publikum zugehen“, damit sich dieses eingebunden fühlt. Das ist der Ansatz.
Die Sparten sollen gleichgewichtig aufgeteilt werden. Jugend ist nicht als Schwerpunkt vorgesehen. Musik: Mehr Richtung FM4 und "Bilderbuch", keine Volksmusik.
Er selbst wird keine Regie führen, er macht nur die Intendanz und hofft auf Beiträge aus der Freien Szene.

Beifall erhielt Igor Pucker gegen Ende, als er einen ehrenamtlichen und unabhängigen Kulturbeirat für das Festival forderte.

Wer das ganze Protokoll lesen möchte, findet es hier.