Basisdatenerhebung 1997

Zum Leben zu wenig – zum Sterben zu viel

Sie alle leisten einen erheblichen Beitrag zu einer lebendigen Kulturszene in Kärnten. Leider ist es viel zu Wenigen bewußt, wieviel zeitlicher und finanzieller Aufwand und persönliches Engagement dahinterstecken, um diesen Bereich zu erhalten und zu “bewirtschaften”.
Um dies argumentieren und dokumentieren zu können, aktuelle Anliegen und Probleme zu thematisieren und entsprechende Strategien zu entwickeln, führte die I.G. KiKK eine Basisdatenerhebung im »neuen kulturellen Sektor« durch.
Nicht zuletzt sollen diese Ergebnisse zu einer Neubewertung der Freien Kulturszene durch die Kulturpolitik und -verwaltung führen. Wo bisher Argumentationsnotstand auf Grund fehlender Zahlen herrschte, gibt es jetzt Daten schwarz auf weiß.

Die Ergebnisse der Datenerhebung sind teils Bestätigung von Schätzungen, teils überraschend, sogar in den eigenen Reihen. Der 80 Seiten Bericht wird damit zur spannenden Lektüre.
Erhoben wurde in dieser quantitativen Befragung in einem Vergleichszeitraum von drei Jahren (1993 - 1995) von den Bereichen Veranstaltungswesen, Besucher*innenstruktur und räumliche Infrastruktur bis zu Personalsituation und Finanzierungswesen.

Im Jahre 1995 boten allein 24 Kulturinitiativen 1.830 Tage Veranstaltungsprogramm die von rund 82.300 Besucher*innen genutzt wurden. Dies sind um etwa 500 Veranstaltungstage und 20.000 Besucher*innen mehr als 1993.

Den Erfolgen, aber auch dem Leistungsdruck seitens der Fördergeber stehen mangelnde  personelle und räumliche Ressourcen gegenüber. So verfügen nur die Hälfte dieser Vereine über Büroräume. Über ganzjährig uneingeschränkt benutzbare Veranstaltungsräumlichkeiten verfügen nur vier Kulturinitiativen.

Besonders drastische Entwicklungen sind auch im Personalbereich bemerkbar. Die durchschnittliche Anzahl der Arbeitsplätze ist im Vergleichszeitraum aufgrund zunehmend geringfügig Beschäftigter von 51 auf 70 Beschäftigte gestiegen und dies bei gleichzeitiger Abnahme von Strukturförderungen. Insgesamt ergibt dies 1995 pro Person im Jahr einen Durchschnittseinkommen von rund 98.600,– öS inklusive Nebenkosten.

Der Gesamtumsatz ist von 17,5 auf 22 Mio öS gestiegen. Überraschend dürfte auch für die Subventionsgeber der Anteil von 50 % Eigenleistung am Gesamtumsatz sein. Die öffentlichen Förderungen (50 %) werden zu 34.5 % vom Bund, 23.6 % vom Land, 33.8 % von den Gemeinden und 8.1 % vom Arbeitsmarktservice getragen. Hier ist in den Jahren 1993 bis 1995 eine Steigerung um 3 Mio öS erfolgt – dem gegenüber stehen 3 Mio öS mehr Aufwand für reine Veranstaltungskosten.Die Strukturkosten (rund 47 % Anteil an den Gesamtkosten) werden mehr schlecht als recht durch Eigenleistungen abgedeckt. Ein wesentlicher Teil davon wird durch rund 19.500 unbezahlte Arbeitsstunden (1995) aufgebracht.

Die Freie Szene, teils ungeliebt und lästig, teils nicht mehr wegzudenken, erfüllt trotz schwieriger Bedingungen wichtige Funktionen sowohl als Arbeitsgeber als auch als Anbieter von Kulturprogrammen für die Bevölkerung, deren Bedürfnisse durch Großevents und Massenkultur nicht abgedeckt werden.