Offener Brief an Dr. Mathiaschitz

Sehr geehrte Frau Bürgermeister, sehr geehrte Frau Dr. Mathiaschitz!

Ich habe in der aktuellen Ausgabe von „Klagenfurt“ gelesen, dass für die Ausarbeitung eines Leitbilds für unsere Landeshauptstadt eine Agentur beauftragt wurde.
Eine? – Die Firma NAMOS KommunikationsGmbH, die Agentur von Martin Strutz!

Soweit es das kulturelle Bild betrifft: da wird einerseits bei jeder Gelegenheit, in der es um Kultur geht, das Mantra von der Notwendigkeit des Sparens gebetet und andrerseits erhält nun eine Agentur den Auftrag, das (kulturelle) Leitbild der Stadt zu erstellen.

Eine sechstellige Summe als Honorar wird kolportiert.

In Klagenfurt gibt in jeder Sparte eine Reihe kompetenter, engagierter, keinen Partei- sondern ausschließlich kulturpolitischen Interessen verpflichteter, kreativer Menschen, Initiativen und Vereine, denen solche und geringere Summen für ihre Produktionen aus oben erwähnten Gründen vorenthalten werden. Und sie haben in der IG KiKK eine Interessensvertretung, die nicht nur mit der Materie sondern auch mit den diese tragenden Menschen bestens vertraut ist, was sie nicht zuletzt in der Basisdatenerhebung, die in den letzten Jahren vom Land Kärnten finanziert wurde, bewiesen hat.

Die Beauftragung einer kulturfernen Agentur bedeutet in diesem Sinne eine schwere Brüskierung der gesamten – oder doch zumindest der Freien – Szene dieses Landes. Soll diese nun ihr mühsam in Jahren erarbeitetes Wissen und Know-how dieser Agentur gratis zur Verfügung stellen, nicht wissend, wie dieses dort be- und verarbeitet wird, und ohne in den Entscheidungs- und Umsetzungsprozess eingebunden zu sein?

Es würde mich brennend interessieren, wie es zu der Entscheidung für gerade diese Agentur gekommen ist. Hat es überhaupt eine Ausschreibung gegeben und wenn ja, wie ging sie von statten und wo wurde sie veröffentlicht? Wie hoch ist das Honorar für die Agentur, das schließlich aus Steuergeldern finanziert wird. Was die Kultur betrifft: für welche Leistungen? Wie ist die Vorgangsweise, der Prozess der Erstellung, und wer entscheidet letztendlich über das Resultat?

Und warum gerade Martin Strutz, der aus der Ära kommt und der Partie zuzurechnen ist, die letztlich für die fürchterliche Misere des Landes verantwortlich ist und nicht zuletzt Schuld trägt für den finanziellen Notstand auch in der Kultur. Einem Aufsichtsratsmitglied der Hypo und persönlichen Sekretär von Haider, der im Laufe seiner politischen Karriere und vielen Funktionen nur unter
ferner liefen mit Kultur (mit Ausnahme seiner Vorstandstätigkeit u.a. in der Freiheitlichen Akademie) zu tun hatte, sollten keine politischen bzw. öffentlichen Agenden, schon gar nicht die Erstellung eines Leitbilds, übertragen werden!

 Mag. Eva Reitmann-Omilade (TanzRaumK)